Prof. Piotr GLIŃSKI: Es war der Krieg mit der polnischen Kultur

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Es war der Krieg mit der polnischen Kultur

Prof. Piotr GLIŃSKI

Vizeministerpräsident, Minister für Kultur und Nationales Erbe.

Ryc.Fabien Clairefond

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In den polnischen Museen und Sammlungen gibt es immer noch leere Plätze nach den Plünderungen des damaligen Krieges.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden hunderttausende polnische Kunstwerke, Volumina und Archivalien Opfer von Plünderungen oder Zerstörung. Viele herausragende polnische Museumsmitarbeiter und Vertreter der Kultur sowie einfache Angestellte in Museen zahlten für den Versuch, das nationale Erbe zu schützen, den höchsten Preis – das eigene Leben. Obwohl der Krieg bereits 80 Jahre in der Vergangenheit liegt, hört Polen nicht auf, weiterhin nach den damals geplünderten Kulturgütern zu suchen, um sie wiederzuerlangen.

Die von den Deutschen ab dem 1. September 1939 und später von den Russen ab dem 17. September 1939 eingeleiteten Maßnahmen dienten gezielt und präzise der Eliminierung des kulturellen Erbes und der polnischen intellektuellen Elite. Im deutschen Konzentrationslager Mauthausen wurden tausende polnische Schöpfer und Künstler, Architekten, Journalisten, Schriftsteller, Dichter, Musiker, Komponisten, soziale und politische Aktivisten, Professoren von Hochschulen und Studierende festgehalten. Rund 30 Tsd. von ihnen wurden ermordet.

Das Ziel der deutschen und sowjetischen Verbrechen waren die polnische intellektuelle Elite, die polnische Kultur, die Identität, die Unabhängigkeit. Zusammengefasst: das Polentum. Im November 1939 führten die deutschen SS-Einheiten die sog. Sonderaktion Krakau durch. Mit einer List wurden die Krakauer Gelehrten in das Collegium Novum der Jagiellonen-Universität gelockt, um sie alle daraufhin in Konzentrationslager zu deportieren. Auch unter den Opfern in Palmiry, einer Reihe von Exekutionen zwischen Dezember 1939 und Juli 1941, befanden sich Vertreter der politischen, intellektuellen und kulturellen Elite Polens. Insgesamt 50 herausragende polnische Gelehrte, Professoren aus Lemberg, ihre Familien und Mitarbeiter wurden im Juli 1941 ermordet. Wir dürfen auch nicht die polnischen Künstler vergessen, die in den Reihen der Heimatarmee, während des Warschauer Aufstandes oder infolge der von den Besatzern durchgeführten militärischen Aktionen den Tod fanden. Unter den 6 Millionen polnischen Kriegsopfern, darunter 3 Millionen polnischen Juden, stellte die polnische intellektuelle Elite einen beträchtlichen Teil dar. Rund 1/3 der Intellektuellen wurde ermordet.

Ab September 1939 inventarisierten und requirierten die Deutschen systematisch und planmäßig ganze Museumskollektionen, die daraufhin ins Reichsinnere transportiert wurden. Das Phänomen der hervorragenden Organisation der nationalsozialistischen Konfiszierungsmaschinerie basierte auf einer Erkundung deutscher Kunsthistoriker in der Vorkriegszeit. Ein weiteres Kapitel der Plünderung polnischer Kulturgüter schrieb die Rote Armee. Hier gab es sog. Beute-Brigaden (russ. trofiejnyje otriady; trofiejnyj – erbeutet), die polnische Kunstwerke sicherstellten und sie in die Sowjetunion transportierten. Bis heute befinden sich die damals fortgeschafften polnischen Kunstwerke in den russischen Museen. Die Russen setzten den systematischen Diebstahl von Kunstwerken auch nach dem Krieg fort.

Die ersten Schätzungen nach dem Krieg sprachen von 516 Tsd. geraubten oder zerstörten polnischen Gemälden und Kunstwerken, deren Wert auf mehrere Milliarden der damaligen Dollar geschätzt wurde.

Wir haben über die Hälfte der in Museen gesammelten Objekte verloren. Eine Ikone der verlorenen Kunstwerke ist zweifellos Das Porträt eines Jünglings des italienischen Malers der Renaissance, Raffael. Vor dem Krieg gehörte das Gemälde zur Sammlung der Familie Czartoryski in Krakau. Das Werk wurde von den deutschen Besatzern requiriert und 1944 weggeschafft. Ein weiteres verschollenes Werk der italienischen Renaissance ist das Tondo Die Anbetung des Kindes von Lorenzo di Credi, das sich vor dem Krieg im Museum Wielkopolskie in Posen befand. Im Jahre 1943 wurde dieses Werk zusammen mit dem Großteil der Sammlung in die Forts in Kahlau und danach ins Reichsinnere, in die spätere sowjetische Besatzungszone, transportiert. Im Gegensatz zum Gemälde von Raffael ist der Standort des Tondos wohl bekannt. Es befindet sich im A. S. Puschkin Staatlichen Museum für Bildenden Künste in Moskau. Der polnische Staat fordert ununterbrochen die Rückgabe des Werks. Unter den herausragenden Werken, die während des Zweiten Weltkriegs in Polen geraubt wurden, befinden sich auch Gemälde von Vertretern der Avantgarde aus der Zwischenkriegszeit, u. a. von Pablo Picasso. Seine Collage mit dem Titel Gitarre stellte ein Element der Sammlung des Städtischen Geschichts- und Kunstmuseums in Lodz dar.

In polnischen Museen und Sammlungen spuken immer leere Plätze nach den Plünderungen des damaligen Krieges. Die polnischen Historiker und Museumsmitarbeiter, die vom polnischen Staat unterstützt werden, sind ununterbrochen bemüht, polnische Kunstwerke und Werke aus polnischen Museen und Sammlungen wiederzuerlangen. Es gelingt ihnen auch mit immer weiteren Kunstwerken, wenngleich dies nur ein Tropfen im Meer der Plünderungen ist. Dieses Kapitel ist noch lange nicht abgeschlossen. 

Prof. Piotr GLIŃSKI

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